

Vernetzung als Chance
Wie wichtig Vernetzung für den wissenschaftlichen Erfolg ist, zeigen dieBeispiele dreier Forscher an der MUW. Der Onkologe Thomas Brodowicz etablierte gemeinsam mit Christoph Zielinski die Central European Cooperative Oncology Group (=CECOG), einakademisches Netzwerk von insgesamt 130 onkologischen Zentren in Zentral- und Osteuropa. Im Rahmender heurigen Jahrestagung der ASCO (American Society of Clinical Oncology) war die CECOG gleich mit fünf Beiträgen vertreten.
„Die Ergebnisse einer von uns durchgeführten klinischen Studie bei Patienten mit Lungenkrebswurden im Rahmen eines Vortrages einem Auditorium von ca. 8.000 Menschen präsentiert“, so Brodowicz.
Ins gesamt kamen zwei von insgesamt nur vier Beiträgen in der „Plenary Session“ aus Österreich. Ein anderer Forscher, der seine Arbeit im Rahmen des ASCO präsentieren konnten, ist der Chirurg Michael Gnant, der mit seiner „Austrian Breast Cancer Study Group“ (ABCSG) bereits mehrfach internationale Erfolge verzeichnen konnte: „Der Vortrag auf dem AmerikanischenKrebskongress 2008 ist sicherlich ein Highlight gewesen, sowohl für die ABCSG als auch für mich persönlich. Aber wir haben schon in den letzten Jahren immer wieder den Weltstandard neu definieren können, so bei brusterhaltenden Operationen oder in der endokrinen Therapie.“
Vernetzung und ausgesprochene Interdisziplinarität prägen auch die Klinische Pharmakologie. Zuletzt konnten die Wiener Klinischen Pharmakologen mit einer Arbeit über einen neuen Impfstoff gegen Influenza H5N1 und über die Beschreibung eines Mechanismus zur Therapieresistenz bei Patientenmit Epilepsie aufzeigen. Klinkvor stand Markus Müller selbst konnte mit einermit der Entwicklung einer Technik zur Messung von Gewebs spiegeln von Medikamenten einen internationalen Standard setzen. Zutaten für die „Erfolgsformel“ Für den Onkologen Brodowicz sind Seriosität, Verlässlichkeit, Flexibilität und Glück die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit.
Allein ist der/die ForscherIn aber meist auf verlorenem Posten, so Brodowicz: „Der Glaube an die Idee und deren konsequente Umsetzung als Teamplayer waren für mich wesentliche Erfolgsfaktoren.“
Jungen KollegInnen rät Brodowicz dementsprechend vor allem zu Beharrlichkeit und Ausdauer. Der Pharmakologe Markus Müller lässt gleich Zahlen sprechen. Seine persönliche Erfolgsformel: „70% Arbeit, 20% Hartnäckigkeit, 10% Glück“.
Auch er sieht imTeam work einen wichtigen Erfolgsfaktor: „Erfolge sind an unserer Klinik fast immer Teamerfolge.“ Und: „Meiner persönlichen Meinung nach führt der Weg zum Erfolg über neue originelle Konzepte und Ideen – oft fernab des gerade modischen mainstreams”. Ähnliche Voraussetzungen wie seine beiden Kollegen sieht auch Michael Gnant: „Ich denke, Kreativität, Vernetzung, Durchhaltevermögen, Optimismus sind entscheidend. Das Ziel ist letztlich, dass man mit seinem Team in seinem unmittelbaren Fachgebiet auf der ganzen Welt bekannt ist.“
Was er jungen Kollegen raten würde? „Nie aufgeben, immer an sich arbeiten, hoffnungslos optimistisch sein, kritisch Distanz zur eigenen Meinung bewahren, Zusammenarbeit suchen, Perfektion als Arbeitsprinzip. Träume bewahren.“
Kleines Land - Kluge Köpfe: Gegenüber den großen Playern im Wissenschaftsbetrieb scheint Österreich als kleines Land manchmal benachteiligt zu sein. Das liegt, so Thomas Brodowicz, zum einen am Geld: „In ganz Europa ist das „publicfunding“ im Vergleich zur USA sehr spärlich. Gemessen am BIP liegt die Förderung bei uns sehr niedrig. In Österreich wäre die medizinisch-klinische Forschung ohne Unterstützung industrieller Partner derzeit sehr schwierig“. Aber auch die Strukturen der Forschung machen seiner Ansicht nach zu schaffen: „Je kleiner das Land, desto größer die Individualinteressen“.
Markus Müller sieht das ähnlich: „Medizinische Forschung wurde aufgrund struktureller Mängel in Österreich lange als Hobbyforschung gesehen und auch betrieben. Die Reform der Universitäten und die Instrumente des FWF sind aber prinzipiell Schritte in die richtige Richtung.“ Auch Michael Gnant sieht vor allem im Fehlen öffentlicher Fördermittel das Problem: „Wir haben die besten Chancen der Welt, da wir auf so ein gutes Gesundheitssystem zugreifen können. Was fehlt, ist signifikante klinische Forschungsförderung durch die öffentliche Hand. Da geht es uns viel schlechter als anderen Ländern, vor allem als den USA.“
Fit für die „Champions-League"?
Für den Pharmakologen Müller waren die letzten 15 Jahre der medizinischen Forschung in Österreich eine Erfolgsstory. „Es wurde erstmals nach 1945 wieder ein breiter Anschluss an das internationale Spitzenforschungsniveau erreicht. In einzelnen Disziplinen ist Österreich in der „Champions League“ der Forschung kompetitiv“, so Müller.
Positiv hervorzuheben ist für ihn auch die Gründung von einigen erfolgreichen Biotech-Unternehmen aus dem akademischen Bereich. „Die Herausforderung wird sein, die medizinische Forschung zu professionalisieren, um in mehreren Bereichen als Standort fit für die Champions League zu werden.“ Nicht immer geht es aber darum, Bestehendes zu verändern, sagt Michael Gnant mit Blick auf das Gesundheitssystem: „Wenn wir signifikante akademische Forschung bewahren wollen - auch unabhängig von der Pharmaindustrie - müssen wir deutliche Verbesserungen der klinischen Forschungsförderung durch die öffentliche Hand erreichen. Wichtig wird es sein, unser wunderbares Gesundheitssystem gegen die menschenverachtenden Sparmeister zu verteidigen.“

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